Der Komponist Karlheinz Essl gehört zu den führenden österreichischen Elektronik Künstlern und ist, wie sein dichter Terminkalender verrät, in aller Welt gefragt: Vor seinem Portrait Konzert, das am Freitag, den 12. Februar um 20 Uhr im Kleinen Haus der Städtischen Bühnen beginnt, hat er Aufführungen in Boston, Wien, Como, Graz und dann in New York.
Essl macht das Unmögliche möglich: Unendlichkeit, strengste Konstruktion, die spirituelle Kraft der Improvisation – das alles und mehr findet man in seinen Stücken. Wenn er in die Tasten greift, sitzt er am Laptop.
Die Einflüsse, die Karlheinz Essl prägten, sind mannigfaltigster Natur: Rock Musik, Jazz (Essl spielte selbst Kontrabass), Mittelalter, Renaissance und Anton von Webern spielen in seiner Welt eine ebenso bedeutende Rolle wie die Klangräume der computergenerierten zeitgenössischen Musik: »Ekstase und Trance haben für mich immer eine gewisse Bedeutung gehabt als etwas, das ich auch mit musikalischen Mitteln zu erreichen versuche.«
Das Schaffen Essls reicht von auskomponierten Instrumentalwerken über Mischformen (beispielsweise mit Live Elektronik) bis hin zu Echtzeit-Kompositionen und Improvisationskonzepten, Klanginstallationen und Internet-Projekten.
Meist tritt Karlheinz Essl sowohl als Komponist wie auch Performer in Erscheinung: »Es ist heute wieder so, dass diese getrennten Bereiche der Instrumentalisten, der Ausführenden und der Komponisten – also der Erfinder – sich immer mehr verschränken«, meint er. »Was den Komponisten auszeichnet ist, dass er in der Lage sein soll, nicht nur für sich und sein Instrument zu schreiben, sondern Musik jeglicher Besetzung und Kategorie schreiben zu können.« Dass Essl das kann, wird man in Münster bei seinem gemeinsamen Konzert mit Stephan Froleyks »livehaftig« beobachten und hören können.
Geboren 1960 in Wien. Studierte Musikwissenschaften und Kunstgeschichte an der Universität Wien (Promotion 1989 über Das Synthese-Denken bei Anton Webern) sowie Komposition bei Friedrich Cerha und elektro-akustische Musik bei Dieter Kaufmann. Arbeitet als Komponist, Medienkünstler, Elektronik-Performer, Musikkurator und Kompositionslehrer.
1990-94 composer-in-residence bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. 1992-93 Realisierung eines Kompositionsauftrages des IRCAM in Paris. Unterrichtete zwischen 1995-2006 "Algorithmic Composition" an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. 1997 Komponistenportrait bei den Salzburger Festspielen in der Reihe "next generation". 2004 Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Musik. Seit 2007 Kompositionsprofessor für elektro-akustische und experimentelle Musik an der Musikuniversität Wien.
Entwickelt neben Instrumentalwerken und Kompositionen mit Live-Elektronik auch generative Kompositionssoftware, Improvisationskonzepte, Klanginstallationen, Performances sowie Internet-Projekte. Ständige Auftritte als Live-Performer mit seinem selbstentwickelten computer-basierten Meta-Instrument m@ze°2.
wurde 1962 in Kleve am Niederrhein geboren und studierte an den Musikhochschulen in Hannover und Essen. Er arbeitet international als Komponist, Interpret, Autor, Kurator und Erfinder neuartiger Instrumente.
Stephan Froleyks erhielt mehrfach Stipendien und Kunstpreise, seine Kompositionen, Installationen, Hörstücke, multimedialen Arbeiten und Theatermusiken entstanden u.a als Auftragswerke für WDR, Radio Bremen und das Deutschlandradio, sie wurden auf vielen Festivals (Donaueschingen, Witten, Dresden, London, Amsterdam...) aufgeführt.
Als Interpret und Improvisationsmusiker (Schlagzeug/Tuba) arbeitet Stephan Froleyks solistisch und mit verschiedenen Ensembles im weiten Feld der neuen Musik, Konzertreisen führten ihn durch ganz Europa bis nach Südamerika und Asien.
Stephan Froleyks ist Professor an der Musikhochschule in Münster, die Presse bescheinigt ihm "ein lockeres Handgelenk, Spiellust und intelligente Formgebung."
Kritik
Das Vibraphon streicheln
Münster - Das Vibraphon kann, wenn es mit dem Cellobogen gestrichen wird, lange, glasklare Töne hervorbringen. Gekoppelt mit äußerst virtuos angewendeter Live-Elektronik kommen beeindruckend schöne Sounds heraus, entstehen Strukturen und Spannungsverläufe. Elektronik-Komponist Karlheinz Essl, ein Pionier dieser Szene, zauberte mit Schlagzeuger Stephan Froleyks eine äußerst spannende erste Konzerthälfte. In Sequitur XI (2009) für Vibraphon, Becken und Live-Elektronik, das im Rahmen des diesjährigen Klangzeitfestivals im Kleinen Haus uraufgeführt wurde, dominierten lange die fließenden Sounds, unterbrochen von schnellem Spiel mit harten Schlegeln. Jede Wendung war wohlüberlegt. Weil Essl, der hier das Laptop bediente, und Froleyks so organisch zusammenspielten, entstand ein dichtes Musikgeflecht, ein kleines und feines Hörereignis für verwöhnte Ohren.
Ein bisschen Musiktheater steckt in Essls Pandora´s Secret (2008/2009). Der Protagonist, hier der Komponist selbst, findet ein Paketchen, öffnet es etwas umständlich und hält schon bald eine kleine Spieluhr mit Kurbel in der Hand, die mit einem Lochstreifen zum Klingen gebracht wird. Die Elektronik veredelt die schüchternen Musikboxklänge zu großen Sounds. E-Gitarre und Laptop bedient Essl gleichzeitig in Sequitur VIII (2008). Gitarrenklänge vermischen sich, elektronisch verfremdet und mit ganz neuer akustischer Gestalt versehen. Eine Metallschale auf der Pauke, mit weichen Schlegeln angespielt, gibt es in Essls el-emen' (2004). Der Surround-Klang ist hier gestaltendes Element, und Schlagzeuger Froleyks weiß Rasseln und Pauke mit zartem Elektronikgeflirre auf den Punkt zu bringen.
Internationally renown composer and performance artist, Karlheinz Essl from Vienna, Austria will be visiting the GSD. Under the invitation of the GSD student-led organization, The Group for the Philosophy of Architecture, Professor Essl will share with interested GSD students, faculty and the Harvard community, his music and current research in performance art.
Thomas Lee presents composer Karlheinz Essl who will give an introduction into his work and his artistic ideas, followed by an open discussion.
Flutist Jacqueline deVoe and Karlheinz Essl will work together on Sequitur I for flute and live-electronics at the Electronic Studio of NEC. During this course, Karlheinz Essl will give an introduction into his Sequitur cycle for various solo instruments and live-electronics.
Jennifer Hymer performs new compositions for kalimba, toy piano and electronics from her program Kalimba!Kontained, including works by Sascha Lino Lemke, Karlheinz Essl, Annie Gosfield, George Crumb, Georg Hajdu, Anthony De Ritis, David Lang, Lukas Ligeti, Manfred Stahnke and Oliver Schneller.
Introduction by Karlheinz Essl
Jennifer Hymer performs Karlheinz Essl's Sequitur XIV
Hamburg, 13 Sep 2009