Der sich dabei aufbauende Klangstrudel wird zum Generator sich ständig verwandelnder Klanghybride – so, als würden chemische Elemente zu immer neuen Verbindungen verschmelzen. Damit erfüllt sich im Klanglichen der alte Traum von der Verwandlung der Elemente: die alchymische Hochzeit.
Im kryptischen Werktitel findet sich der Hinweis auf jene elementaren Vorgänge; zugleich aber klingt darin auch die arabische Wortwurzel für Sicherheit, Ruhe, Frieden und Schutz an.
Günter Meinhart bei der Aufführung von el-emen'
Säulenhalle des Parlamentes in Wien
Was haben Chemie und Musik gemeinsam? Karlheinz Essl, gelernter Chemieingenieur und Komponist, über Klang-Alchemie, die heilige Zahl Drei, Raumklang und Hexenkessel.
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Karlheinz Essl verwendet in unserem Gespräch viele Worte aus der Welt der Chemie, kein Wunder, widmete er sich doch vor seinem Studium an der Musikhochschule dieser Materie. Dass also immer wieder Worte wie Elemente oder Alchemie fallen und er eines seiner Werke el-emen’ nennt, verwundert nicht. Auch nicht, dass es ihm wichtig ist, dass beschleunigte Klänge durch den Raum fegen – man sieht fast die Atome, aus denen diese Klänge bestehen. Musik wird angreifbar, Musik wird zur Materie, und plötzlich ist die Verbindung zwischen Chemie und Musik (be-)greifbar.
Karlheinz Essl meint, dass sich das Komponieren heute grundlegend von dem im 19. Jahrhundert unterscheidet: Damals waren die Komponisten oftmals nur „Schreibtischtäter“, wie er es bezeichnet. „Sie schrieben ihre Stücke für die Nachwelt und konzentrierten sich in erster Linie auf das Verfassen von Partituren. Heute ist das ganz anders: Der Komponist verlässt den ‚Elfenbeinturm’ und begibt sich hinaus ins Leben, wo andere Eindrücke auf ihn einströmen und ihn inspirieren.“ Der Komponist Karlheinz Essl lässt sich auf Neues ein, er widmet sich der Improvisation und entwickelt daraus seine Werke. |
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Die Uraufführung von el-emen’ am 19.04.2004 im Linzer Brucknerhaus stellte den Komponisten Karlheinz Essl auch als Chemiker vor. Dies verwundert nur auf den ersten Blick, denn Essl hat in jungen Jahren tatsächlich eine Ausbildung zum Chemieingenieur absolviert. Die Elemente wirbeln durch den Raum, ausgehend von einem Schlagzeuger, der sie durch den Raum schickt. Durch einen Computer beschleunigt oder verlangsamt, geraten Musiker und Publikum immer weiter in einen Klangstrudel, dem sich niemand entziehen kann. Eine unentrinnbare Kettenreaktion entsteht, die die Klangelemente verschmelzen lässt.
el-emen für Solo-Percussion und Live-Elektronik (2004)
Video-Ausschnitt von der Uraufführung
Brucknerhaus Linz, 19 Apr 2004
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Updated: 24 Sep 2008