Karlheinz Essl

Portrait KHE

el-emen'

for solo percussion & live-electronics
2004

Basics | Reviews | Performances | Video


el-emen' (excerpt) performed by Stephan Froleyks and Karlheinz Essl
Kunsthaus Kloster Gravenhorst, 17 April 2010
Video: Reinhard Lepa


el-emen' für Solo-Schlagzeug und Live-Elektronik entstand in Zusammenarbeit mit dem Percussionisten Günter Meinhart. Vier unterschiedliche Familien von Schlaginstrumenten (Fell, Holz, Metall und Keramik), die den vier Elementen zugeordnet sind, werden über Mikrophone abgenommen und in ein eigens dafür entwickeltes Computerprogramm eingespeist, das die Klangpartikel wie ein akustischer Teilchenbeschleuniger im Raum verwirbelt.

Der sich dabei aufbauende Klangstrudel wird zum Generator sich ständig verwandelnder Klanghybride – so, als würden chemische Elemente zu immer neuen Verbindungen verschmelzen. Damit erfüllt sich im Klanglichen der alte Traum von der Verwandlung der Elemente: die alchymische Hochzeit.

Im kryptischen Werktitel findet sich der Hinweis auf jene elementaren Vorgänge; zugleich aber klingt darin auch die arabische Wortwurzel für Sicherheit, Ruhe, Frieden und Schutz an.


Günter Meinhart performing el-emen' at the Parlament in Vienna

Günter Meinhart bei der Aufführung von el-emen'
Säulenhalle des Parlamentes in Wien


Die (Al-)Chemie der Musik

Marie-Theres Arnbom über Karlheinz Essl und die Liebe zur Veränderung

Was haben Chemie und Musik gemeinsam? Karlheinz Essl, gelernter Chemieingenieur und Komponist, über Klang-Alchemie, die heilige Zahl Drei, Raumklang und Hexenkessel.

Karlheinz Essl verwendet in unserem Gespräch viele Worte aus der Welt der Chemie, kein Wunder, widmete er sich doch vor seinem Studium an der Musikhochschule dieser Materie. Dass also immer wieder Worte wie Elemente oder Alchemie fallen und er eines seiner Werke el-emen’ nennt, verwundert nicht. Auch nicht, dass es ihm wichtig ist, dass beschleunigte Klänge durch den Raum fegen – man sieht fast die Atome, aus denen diese Klänge bestehen. Musik wird angreifbar, Musik wird zur Materie, und plötzlich ist die Verbindung zwischen Chemie und Musik (be-)greifbar.

Karlheinz Essl meint, dass sich das Komponieren heute grundlegend von dem im 19. Jahrhundert unterscheidet: Damals waren die Komponisten oftmals nur „Schreibtischtäter“, wie er es bezeichnet. „Sie schrieben ihre Stücke für die Nachwelt und konzentrierten sich in erster Linie auf das Verfassen von Partituren. Heute ist das ganz anders: Der Komponist verlässt den ‚Elfenbeinturm’ und begibt sich hinaus ins Leben, wo andere Eindrücke auf ihn einströmen und ihn inspirieren.“ Der Komponist Karlheinz Essl lässt sich auf Neues ein, er widmet sich der Improvisation und entwickelt daraus seine Werke.

  Karlheinz Essl


Die Uraufführung von el-emen’ am 19.04.2004 im Linzer Brucknerhaus stellte den Komponisten Karlheinz Essl auch als Chemiker vor. Dies verwundert nur auf den ersten Blick, denn Essl hat in jungen Jahren tatsächlich eine Ausbildung zum Chemieingenieur absolviert. Die Elemente wirbeln durch den Raum, ausgehend von einem Schlagzeuger, der sie durch den Raum schickt. Durch einen Computer beschleunigt oder verlangsamt, geraten Musiker und Publikum immer weiter in einen Klangstrudel, dem sich niemand entziehen kann. Eine unentrinnbare Kettenreaktion entsteht, die die Klangelemente verschmelzen lässt.



Video

el-emen für Solo-Percussion und Live-Elektronik (2004)
Video-Ausschnitt von der Uraufführung
Brucknerhaus Linz, 19 Apr 2004


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Updated: 20 Apr 2010