Eva Teimel

Neues für die „Königin der Instrumente“ auf CD

Neue Orgel-CDs von Karlheinz Essl und Christoph Herndler
eingespielt von Wolfgang Kogert

Zeit-Ton vom 6. November 2023 (Ö1)

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Wolfgang Kogert ist ein Organist, der sich mit Leidenschaft, Akribie und ungebrochener Neugierde dem zeitgenössischen Musikschaffen widmet. Zahlreiche Werke kamen durch ihn zur Uraufführung, vieles wurde für ihn geschrieben. In diesem Jahr brachte Wolfgang Kogert zwei CD Neuerscheinungen heraus, die den Facettenreichtum der Königin der Instrumente zeigen. Zum einen das gesamte Orgelwerk von Karlheinz Essl, zum anderen eine Werksammlung von Christoph Herndler. Diese beiden Neuerscheinungen stehen im Mittelpunkt des heutigen Zeittons, zu dem sie Eva Theimel begrüsst.


Cover ORGANO/LOGICS


Die CD mit dem gesamten Orgelwerk von KarHeinz Essl entstand indes in der Heimatstätte Kogerts, wenn man so möchte, der Hofburgkapelle in Wien. Seit mehr als zehn Jahren ist Wolfgang Kogert dort als Organist tätig. Während Christoph Herndler die Orgel auch als Interpret sehr vertraut ist, ließ sich Karheinz Essl durch Wolfgang Kogert für das Instrument wieder begeistern. Nach seinem in den 1980er Jahren in einer Art studentischem Experiment entstandenen elektronischen Orgelstück Orgue de Cologne dauerte es Jahrzehnte, bis er sich dem Instrument erneut zuwandte. Auf Anraten Kogerts schrieb Essl neue bzw. adaptierte bestehende Werke für die Orgel. Zehn Stücke sind auf dem Album ORGANO/LOGICS vereint. Es ist eine Art Reise durch Karlheinz Essls Schaffen, in der die Orgel, wie Erwin Uhrmann im Beiheft der CD anmerkt, als Erzählstimme wirkt.


unbestimmt (2020) performed by Wolfgang Kogert
Track from the album ORGANO/LOGICS (col legno 2023)
Recorded at Hofmusikkapelle Wien


unbestimmt von Karlheinz Essl, geschrieben für das Festival Wien Modern 2020. Ein Stück, das von der Interaktion zwischen sich ständig verändernden Akkordstrukturen lebt.

Wolfgang Kogert: "Das ist auch ein Stück, das sehr viel damit zu tun hat, der Orgel Raum zu geben, einfach sich zu entfalten. Es geht um ganz langsames Schließen und Öffnen der Register, also eigentlich auch um ein An- und Abschwellen von Klängen. Das Stück ist raffiniert gemacht, weil die Hände und die Füße spielen die ganze Zeit, sind aber nicht immer hörbar, je nachdem ob Register eingestalten sind oder nicht, werden sie erst hörbar. Dadurch gibt es eben diese Polyphonie, diese Überlagerung von drei Klangwelten. Das ist ein sehr schönes und auch sehr schwieriges Unterfangen, das aufzuführen: wir haben das zu dritt gespielt. Meine Kollegin Elke Eckerstorfer hat die Tasten bedient. Ich habe auf der linken Seite die Register für Hauptwerk und Pedal gespielt und auf der rechten Seite hat Sarah-Maria Pilwax, eine Studierende, die Register bedient. Das ist ein sehr spannungsgeladenes Tun. Man soll es natürlich nicht hören, weil es ganz ruhig fließt, aber alle müssen sehr gut aufpassen, dass man zusammen agiert, dass nichts so plötzlich geschieht. Und auch bei der Aufnahme war es sehr schwierig, weil dann doch manchmal der Kirchenboden geknackst hat oder die Orgelbank gequietscht und das ist bei diesem leisen Stück immer ein Grund gewesen, nochmal zu beginnen."

Die dynamische Veränderung des Orgelklangs, den an sich statischen Klang des Instruments in Bewegung zu bringen, das ist es, was Karlheinz Essl besonders an der Orgel fasziniert. Dieses Auflösen des Statischen zeigt sich in mehreren Stücken, wenngleich das Ergebnis stilistisch immer ein anderes ist. In après l'avant, einer Art Echo auf das erste Orgelstück Orgue de Cologne, werden die an- und abschwellenden Klangflächen etwa durch den Einsatz von Elektronik übersteigert.


après l'avant (2021/2022) performed by Wolfgang Kogert
Track from the album ORGANO/LOGICS (col legno 2023)
Recorded at Hofmusikkapelle Wien


après l'avant, eine elektronische Soundperformance von Karlheinz Essl, eingebettet in die Raumakustik der Wiener Hofburgkapelle. Die Zusammenarbeit zwischen Wolfgang Kogart und Karlheinz Essl entstand aus einem Dialog heraus, aus gemeinsamer Reflexion und Befragung des Instruments. Für die elektronische Bearbeitung von "après l'avant" dienten dem Komponisten die Orgelklänge des Stückes "tenet opera rotas". Auch dieses ist durch eine erstaunliche Ruhe gekennzeichnet, die sich jedoch auf überraschend logisch konstruierte Art und Weise ergibt. "tenet opera rotas" bezieht sich auf das berühmte Sator-Quadrat, das Satzpalindrom Sator-Arepo-Tenet-Opera-Rotas, das von allen Seiten, ob von oben nach unten oder von vorne nach hinten, gleich gelesen werden kann. Seit der Antike findet es sich in vielen Kulturen als Hausinschrift zum Schutz vor jeglichem Übel. In Karlheinz Essls musikalischer Übersetzung steht es für das Enigematische gleichermaßen wie für das Prinzip der harmonischen und melodischen Spiegelung.

Wolfgang Kogert: "Mehrere Stück der CD ORGANO/LOGICS, wurden in Spiegelform komponiert. Das heißt von vorne und von hinten klingt eigentlich die gleiche Musik mit geringfügigen Adaptionen. Und das ist bei dem Stück sehr klar zu fassen, weil die Abschnitte und auch ihre Wiederkehr so gut erkennbar sind. In der Mitte des Stücks steht ein lauter und kräftige Teil, der sehr polyphon ist, mit sechs eigenständigen Stimmen. Dort gibt es eben diesen Schnittpunkt - ein C - das die Spiegelachse bildet. Von dort aus geht es eben nach vorne und nach hinten in der gleichen Art und Weise."


tenet opera rotas (2020) performed by Wolfgang Kogert
Track from the album ORGANO/LOGICS (col legno 2023)
Recorded at Hofmusikkapelle Wien


tenet opera rotas, ein Palindrom für Orgel von Karlheinz Essl, interpretiert von Wolfgang Kogert an der Kuhn-Orgel der Wiener Hofburgkapelle. Neue Zugänge zur Orgel eröffnet diese Einspielung des gesamten Orgelwerks von Karlheinz Essl. Aus der gemeinsamen Befragung des Instruments durch Komponist und Interpret entstand ein gleichermassen harmonisches wie vielfältig spielerisches Ergebnis.



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Updated: 7 Nov 2023

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