Commissioned by Austrian Radio - KUNSTRADIO
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Das radiophone Hörstück Zungenreden (1990) basiert auf Jorge Luis Borges Erzählung Die Bibiliothek von Babel. Mit Hilfe eines gemeinsam mit Gerhard Eckel entwickelten Computerprogrammes, das auf einem Markovketten-Algorithmus beruht, wird die literarische Vorlage nach und nach dekonstruiert. Bei anfänglicher Beibehaltung der grammatikalischen Struktur verwirren sich zunächst die semantischen Bezuege. Allmählich wird auch die Syntax brüchig, ehe der Auflösungsprozeß auf die einzelnen Worte übergreift. Es entstehen merkwürdige Sprachvarianten, die zunächst Assoziationen an bestimmte Dialektformen hervorrufen mögen. Daraus entwickeln sich schließlich künstliche Sprachen, die zuletzt in ihre phonemischen Bestandteile zerlegt als reine musikalische Klangwerte, ohne jegliche semantische Bedeutung, ertönen:
Die Bibliothek der Blätter Wildheit
definiglich endlich
Getrieben von dem buchstabenkombinatorischen Gedanken:
"Sprechen heißt in Tautologien zu verfallen."
de insten pollión
solung une dédenger
hupókache uneiem
Bücher der scharlachroten Seite,
deren Zufallsbände ständig in Gefahr schweben;
das ins Überfeen
schlüssigende Gramidém:
Hoffnung, die allschränkt, behauern!
Das Hörstück wurde 1990 als Auftragswerk des ORF Kunstradio im RP4-Studio realisiert (Sprecherin: Eva Linder) und ist auf der CD RP4 - Beispiele österreichischer Radiokunst erschienen.
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Updated: 30 Aug 2006