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| Karlheinz Essl | Gerhard Eckel |
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Diese Komposition entstand im Sommer 1985 als erstes musikalisches Produkt einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Karlheinz Essl und Gerhard Eckel. Die erste grundlegene Idee war es, das Tonbandgerät wie ein Instrument einzusetzen und auch solistisch in den Vordergrund treten zu lassen. Zu diesem Zweck mußte es entsprechend modifiziert werden; außerdem war die Entwicklung und Kultivierung gewisser "instrumentaler" Spieltechniken von Nöten. Durch diese grundsätzliche Gleichberechtigung beider Instrumente - vergleichbar etwa einer klassischen Violinsonate - ist ein Musizieren der beiden Spieler im traditionellen Sinne wieder möglich geworden.Im Gegensatz zu den unzähligen Kompositionen für Tonband und Soloinstrument - wobei das Tonband im Studio vorgefertigt und bei der Aufführung einfach nur abgespielt wird - treten hier beide Spieler in einen kammermusikalischen Dialog, reagieren permanent aufeinander.
Die Wiedergabe des Tonbandgerätes erfolgt über einen auf den Resonanzboden des Klavieres strahlenden Lautsprecher. Das bewirkt die Verschmelzung der beiden Klangquellen. Außerdem werden dabei Resonanzphänomene erzielt, die kompositorisch eingesetzt wurden.
Der Titel Con una certa espressione parlante (deutsch: Mit einem gewissen sprechenden Ausdruck) ist Beethovens Bagatelle op 33 / Nr. 6 entnommen und spielt auf die sprachlichen Ausdrucksmittel an, die in der Komposition verwendet wurden. Dabei wird unter "Sprache" nicht nur Wortgebilde mit konkreter Aussage verstanden, sondern im Sinne der modernen Semiotik (Umberto Eco) ganz allgemein ein System von Zeichen. So kann Musik - ohne konkrete Inhalte zu transportieren - als etwas Sprachähnliches aufgefaßt werden. Diese Eigenschaft wurde ihr mindestens seit dem Frühbarock zugeschrieben.
Der dialektische Widerspruch zwischen Klang und Sprache bildet den innersten Motor des Werkes. Klang wird zur Sprache, Sprache wiederum löst sich in Klang auf. Die Zitierung geläufigen spätromantischen Tonmaterials - das wiederum im Hörer durch seine Vertrautheit gewisse Assoziationen hervorzurufen im Stande ist - verbindet sich in seiner Amalgamierung mit abstraktem Klanggeschehen (wo beispielsweise das Klavier wie ein Schlagzeug behandelt wird) zu einem Komplex ungefügter Zeichen, die aber in ihrer Durchdringung ein Metazeichen bilden, somit sinn- und bedeutungsstiftend werden: damit aber zur Sprache gelangen. Dieser Prozeß erreicht dort seinen Höhepunkt, wo durch den gezielten Einsatz der Mittel der Gestus und der Affekt der Sprache in Nachbildung ihres Sprachklanges angenähert wird.
Programmheft-Text anläßlich der Uraufführung am 11.11.1985 im Rahmen der Tournee "Kybernikos - Festwochen in den Bundesländern" durch Karlheinz Essl (Klavier) und Gerhard Eckel (Tonbandgerät).
Download mp3 (9:22, 13.3 MB)
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Updated: 8 Jan 2010