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Karlheins Essls „blurred“ ist eine sehr geschickt komponierte, zum Teil zart und zerbrechlich wirkende 15-minütige Komposition, die sicher zum Besten gehört, was ich an Musik aus dem 21. Jahrhundert bislang gehört habe. Es ist teilweise wahrhaft atemberaubend, wie der Komponist aus nur drei Instrumenten (Flöte, Vibraphon und Violoncello) sowie Live-Elektronik (die der Komponist bei der Aufnahme selbst bediente) ein vermeintlich „großes“ Ensemble erstehen lässt und wie sich daraus ein Gespinst aus Klängen formt.
Karlheinz Essls blurred in der Fassung für Altflöte, Vibraphon, Violoncello und Live-Elektronik taucht in gänzlich andere Klangwelten ein. Der Titel ("vernebelt", "verschwommen", "verwischt") verrät bereits, dass es weniger um spezifischen Klang der unterschiedlichen Instrumente als um ein übergeordnetes Ganzes geht. Musiker, Dirigent und Live-Elektronik interagieren und schaffen erst dadurch eine Möglichkeit der Realisierung. Das Klangmaterial wird beherrscht von Triller- ud Tremolofiguren. Der "jenseitige", ferne Klang erhält eine ungeahnte Tiefenwirkung, wobei die Instrumente zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verschmolzend werden.
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Von Zeit zu Zeit wird der Fluß der Musik durch Fermaten angehalten und schafft Raum für die Elektronik: live aufgenomme Teilmomente der Partitur werden in einer Art Teilchenbeschleuniger eingespeist und über vier Lautsprecher im Raum verwirbelt. Eine Art Klangnebel entsteht, der die instrumentalen Klänge verdichtet und transzendiert. Beide Klangwelten - die instrumentale und die daraus abgeleitete elektronische - verbinden sich wiederum zu einem neuen, übergeordneten Ganzen. Erst durch die Interaktion zwischen den Musikern, dem Dirigenten und dem Komponisten, der die Live-Elektronik bedient, entsteht während jeder Aufführung *eine* mögliche Realisierung des Werkes.
Die erste Aufführung von "blurred erfolgte 2007 durch das ensemble XX. jahrhundert unter der Leitung von Peter Burwik und der Tänzerin Sabina Holzer, die die Live-Elektronik durch ihre Bewegung steuerte. Für dieses Konzert wurde sowohl der Elektronikpart als auch die Partitur überarbeitet und eine neue Art der Klangsteuerung implementiert.
blurred, pages 3a and 3b from the score
© 2011 by Karlheinz Essl
![]() © 2011 by Karlheinz Essl |
Alle Instrumente werden über Mikrofone abgenommen (1x dpa Headset-Mikrofon für Altflöte, 1x dpa Mikrofon für Cello, 2x Neumann KM 184 für Vibraphon) und in ein Audio-Interface mit mindestens 4 Mikrofonvorverstärkern eingespeist. Die Surroundton, der 4-kanalig aus dem Audiointerface kommt, wird auf vier Lautsprecher wiedergegeben, die um das Publikum aufgestellt sind, wobei die Eckpunkte eines gedachten Quadrates die Lautsprecherpositionen bestimmen.
Die Live-Elektronik basiert auf einem in Max/MSP geschriebenen Computerprogramm, das von einem zusätzlichen Musiker bedient wird, dessen Part in einer eigenen Partitur notiert ist. Bestimmte Ausschnitte aus der Partitur (in der Elektronik-Partitur schwarz umrahmt) werden während der Aufführung mit Hilfe eines Fußpedals (Schweller, z.B. Roland EV-5), das mit dem linken Fuß bedient wird, in eine Art "Teilchenbeschleuniger" eingespeist, der die Klänge verdichtet und im Raum verwirbelt. Mittels eines zweiten Fußpedals, das mit dem rechten Fuß bedient wird, wird die Lautstärke der Live-Elektronik reguliert, gemäß den Dynamikangaben unterhalb der Notensystemen in der Elektronik-Partitur. Darüberhinaus wird dieser Klangstrom auch klanglich transformiert, was mit Hilfe einer MIDI-Faderbox (z.B. Evolution UC-33) bewerkstelligt wird. Angaben dazu stehen über den Notensystemen in der Elektronik-Partitur. Die Partitur gliedert sich in 26 Abschnitte, die durch eingerahmte Zahlen markiert sind. Vor jedem Abnschnitt steht eine Fermate, in denen die live gespielte Musik angehalten wird, um den elektronischen Klängen Raum zu geben. Die Dauer der Fermaten soll im Zuge der Probenarbeit fixiert werden, wobei die eckige Fermaten in der Elektronik-Partitur länger zu halten sind. |
blurred: Dublin Sound Lab conducted by Michael Quinn
Karlheinz Essl: live-electronics
Project Arts Centre Dublin, 21 Oct 2011
Demonstration of blurred:
ensemble xx. jahrhundert conducted by Peter Burwik
Karlheinz Essl: live-electronics
3raum-Theater Wien, 28 Feb 2011
The Making of blurred: Karlheinz Essl im Gespräch mit Mirjam Jessa
3raum-Theater Wien, 28 Feb 2011
Karlheinz Essl premiering the solo version blurred
Portrait Concert Karlheinz Essl
CMMAS Morelia, 26 Aug 2011
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Updated: 10 May 2012