RAUMERKUNDUNG #1

Mi 26.1.2021, 18:00 - 20:00 Uhr

Künstlerhaus Wien, FACTORY
Karlsplatz 5, 1010 Wien


Konzept | Programm | Werkkommentare | Bios | Videos | Team


Videotrailer von Catherine Spet


Studierende der Kompositionsklasse von Karlheinz Essl perforieren die Ausstellung VOODOO RAGA von Maria Peters mit performativen Klang-Interventionen.

Ein Abend voller Überraschungen mit Uraufführungen von Doina-Cezara Procopciuc, Hristina Šušak, Afamia Al-Dayaa, Gabriel Bramböck, Julia Purgina, Omer Barash, Thomas Gordon Aitken, Haruki Noda und Dominik Förtsch.

Eine Kooperation der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien mit dem Künstlerhaus Wien

mdw


Konzept

Klangraum und Bildraum. Leerraum und Zwischenraum. Aktionsraum und Spielraum. Sprachraum und Bedeutungsraum. In allen Richtungen loten wir sie aus. Tasten sie ab mit Klängen von Instrumenten und Computern. Projizieren sie in die Architektur. Reagieren auf Resonanzen, die dabei entstehen. Unsere Sinne erweitern sich. Wir werden hellhörig. Und sind ganz Ohr.


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Erster Lokalaugenschein in der FACTORY
16 Nov 2021


Programm

Dominik Förtsch: Pillars of Graination I - Live-Elektronik (6chn)

Hristina Šušak: Agni Parthene - Live-Elektronik (4chn)

Thomas Gordon Aitken: Jo - Klavier mit Zuspielung (4chn)

Dominik Förtsch: Pillars of Graination II - Live-Elektronik (6chn)

Julia Purgina: Hydra - fixed-media (6chn)

Omer Barash: OTOTO - Live-Elektronik (4chn)

Dominik Förtsch: Pillars of Graination III - Live-Elektronik (6chn)

Afamia al-Dayaa: w/orte - Performance mit Live-Elektronik (4chn) & Video

Dominik Förtsch: Pillars of Graination IV - Live-Elektronik (6chn)

Haruki Noda: Now there danceth a God in me - Improvisation mit Haruki Noda (Monochord, Live-Elektronik) und Talo López Álvarez (Drum Machine, Electronics)

Doina-Cezara Procopciuc: Generative Live-Visuals


raumerkundung-FAL

Deep Listening im Future Art Lab der mdw
30 Nov 2021


Werkkommentare

Dominik Förtsch: Pillars of Graination
Klangwolken durchströmen den Raum. Rhythmisierte Fetzen tasten sich vor. Verschmelzen. Entitäten - allgegenwärtig, doch ungreifbar. Gefärbtes Rauschen im Bordun. VOODOO RAGA.
Dominik Förtsch: Live-Elektronik


Hristina Šušak: Agni Parthene
In meinem Stück wird der byzantinische Gesang "Agni Parthene" bearbeitet. Die Idee ist, dem Stück eine räumliche Komponente zu geben, in dem vier unterschiedliche Signale mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Stimmungen auf vier Lautsprecher geschickt werden. Diese Unterschiede in Geschwindigkeit und Tonhöhe sind minimal bzw. in z.B. Cents messbar. Während des Stücks werden diese Parameter sowie die Proportion zwischen den Lautstärken live in Max geändert. Das Stück soll im Dunkel ohne Licht aufgeführt werden.

Hristina Šušak: Live-Elektronik


Thomas Gordon Aitken: Jo
Jo — yo, joe, yot-o...
spielt keine Rolle,
// radspeichen // chinesisch // wanted dreich days in scotland // vögel der boerhaavegasse // entfeuchter // um-ein—ausziehen // ein mix/match von erfahrungen

Eunhye Kim: Klavier
Tom Aitken: Zuspielung


Julia Purgina: Hydra
Wie ein tödlicher Hauch ist die Lüge, bedrohlich ihr Gift, das die unbewussten Ängste so effektiv zu bestätigen vermag. Schutzlos ist man ihr ausgeliefert und versucht man sie zu bekämpfen, wachsen ihr stetig neue Köpfe nach. Lässt man sie laufen, vernichtet sie alles um sich herum. Die Hydra der Gegenwart wird mit einem Klick auf Social Media verbreitet und wütet in der Mitte unserer Gesellschaft. Sie verführt viele mit ihrem schlechten Atem. Zu viele wollen glauben, was nicht sein kann. Wie in der Antike ist nicht klar, ob man sie jemals besiegen kann - begräbt man ihr Haupt, brodelt doch das einmal gesäte Gift weiter und spaltet erbarmungslos.
Hydra entstand aus einem inneren Bedürfnis heraus, verstehen zu wollen, warum unsere Gesellschaft auseinanderdriftet, was uns bedroht, und wie die Realitätsverweigerung mancher zu einer großen Gefahr für uns alle werden kann.

Julia Purgina: Klangprojektion


Omer Barash: OTOTO
In OTOTO, versuche ich verschiedene Beziehungen zwischen Ambient- und Instrumentalklängen sowie die Art und Weise zu erkunden, wie man diese beiden Klangkategorien zu hören pflegt. Indem ich mir (und den Zuhörern) Fragen über verschiedene Klangarten stelle, die zu unterschiedlichen Hörerfahrungen führen, möchte ich einen Raum zwischen dem Instrumentalen und dem Ambient eröffnen und die Dichotomie zwischen beiden bezweifeln. Können synthetisierte Klänge überzeugend in eine konkrete Klanglandschaft eingebettet werden? Was passiert, wenn Klänge, die aus einer Feldaufnahme extrahiert wurden, als Instrumentalklänge behandelt werden? Oder wenn eine Feldaufnahme in ihrer Gesamtheit als Rohmaterial behandelt wird und einer Bearbeitung unterzogen wird, die normalerweise für instrumentales Material reserviert ist? Die in diesem Stück verwendeten Umgebungsgeräusche habe ich im April 2021 im Parc Mont Royal in Montreal, Quebec, aufgenommen. "OTOTO" bedeutet in der hebräischen Umgangssprache "ganz bald" (אוטוטו).

Omer Barash: Live-Elektronik


Afamia al-Dayaa: w-orte
Die multimediale Arbeit w-orte besteht zum einen aus einer textlich-visuellen Arbeit, für die ich mit Hilfe einer App what3words verschiedene Orte bestimmt habe. Diese werden dann mit Hilfe des Zufalls zu neuen, wenn man so möchte, "Kurzgedichten" oder zumindest "kurzen Phrasen" in oft überraschend stimmigen, aber manchmal auch unstimmigen Kombinationen neu zusammengesetzt.
Die klangliche Komponente der Arbeit stützt sich ebenfalls auf das Thema "Raumerkundung" und besteht aus vier Aufnahmen von Orten in der Stadt oder in der Natur, die zusammen ein Soundscape bilden, das variabel im Raum auf vier Lautsprecher verteilt wird.

Afamia al-Dayaa: Performance und Live-Elektronik


Haruki Noda: Now there danceth a God in me
"Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde. Und als ich meinen Teufel sah, da fand ich ihn ernst, gründlich, tief, feierlich; es war der Geist der Schwere – durch ihn fallen alle Dinge.
Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man. Auf, laßt uns den Geist der Schwere töten! Ich habe gehen gelernt: seitdem lasse ich mich laufen. Ich habe fliegen gelernt: seitdem will ich nicht erst gestoßen sein, um von der Stelle zu kommen.
Jetzt bin ich leicht, jetzt fliege ich, jetzt sehe ich mich unter mir, jetzt tanzt ein Gott durch mich."
(Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra)

Haruki Noda: Monochord, Electronics
TALO: Drum Machine, Electronics


raumerkundung-computer

Technical Equipment
26 Jan 2022


Bios

Dominik Förtsch (* 1990) wächst in Norddeutschland auf, studiert darstellende Kunst in Graz und arbeitet für einige Jahre als Sänger, Tänzer und Darsteller an verschiedenen Häusern (u.a. mit Nina Mattenklotz, Ingo Berk, Nora Bussenius). Aktuell studiert er Medien- und elektroakustische Komposition in Wien (Judit Varga, Karlheinz Essl) und probiert an den Grenzräumen zwischen Performance und Musik. 2019 wurde sein erstes Orchesterwerk "VOID" (Ensemble Ultreia) uraufgeführt; weitere Stücke beim Festival Wien Modern und dem WienerRauschen-Festival. 2021 arbeitet er mit Samu Gryllus und dem BlackPage-Orchestra zusammen, das Arditti-Quartet nimmt sein Streichquartett hrímdauðr auf. Außerdem ist er Mitglied von MuPaTH. Instagramm...

Omer Barash (* 1995) ist ein Komponist, der derzeit in Wien studierte und arbeitet. In seiner Musik erforscht er mit Hilfe von instrumentalen und elektroakustischen Medien verschiedenen Bewegungserfahrungen sowie unterschiedliche Hörweisen. Er hat mit Ensembles wie Meitar (Israel), Paramirabo (Kanada), Modern (Deutschland) und Reconsil (Österreich) zusammengearbeitet. Bevor er ist nach Wien gekommen, studierte er in Jerusalem und Montreal. Kürzlich wurde er für den Cursus für Komposition und Musikinformatik 2022-23 am IRCAM in Paris ausgewählt. Website...

Thomas Gordon Aitken (* 2000) ist Kompositionsstudent an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Seine aktuelle Musik verwischt die Grenze zwischen einer rein geräuschbasierten Klangerzeugung und Momenten seligen Bewusstseins, die über die Ruhe der Stille und langsame, fragile Harmonie nachdenken. Helmut Lachenmann, Klaus Lang, die Neuen Vocalsolisten Stuttgart, das Ensemble Modern und das Meitar Ensemble haben seine frühe professionelle Entwicklung durch internationale Meisterkurse, Seminare und Privatunterricht in Mitteleuropa und im Nahen Osten gefördert.

Afamia Al-Dayaa (* 1985) studierte Klavier, Sprachkunst und aktuell Komposition bei Karlheinz Essl. Ihre Kompositionen wurden u.a. beim DIALOGE Festival (Salzburg), Wien Modern und beim Kammermusikfestival Regensburg uraufgeführt. Sie hatte Gelegenheit mit Ensembles wie dem Arditti Quartet, I Solisti - Belgian Wind Ensemble, Platypus Ensemble zu arbeiten. Mit ihrem 1. Streichquartett gewann sie den Kompositionswettbewerb des 8. Internationalen Joseph Haydn Kammermusikwettbewerbs 2021, und den 3. Preis des Kompositionswettbewerbs "Unternehmen Gegenwart 2021". Website...

Julia Purgina (* 1980) studierte Viola an der mdw und der UdK Berlin bei Wolfgang Klos und Ulrich Knörzer. Kompositionsstudium an der mdw bei Erich Urbanner, Chaya Czernowin und aktuell postgradual bei Karlheinz Essl. Studium der Slowakistik und Germanistik an der Universität Wien. Seit 2016 Professorin an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien für zeitgenössische Musik und Studiengangsleiterin für Saiteninstrumente.
Auftragswerke für Orchester (ua Wiener Symphoniker, Radio Symphonie Orchester Wien, Helsingborg Symphony Orchestra), eine Oper (Sirene Operntheater), Ensemblewerke (ua exxj, Ensemble Kontrapunkte, oenm, Reconsil, Studio Dan, Platypus, Zeitfluss), Kammermusik (ua Hugo Wolf Quartett, Oberon Trio), Chormusik (ua company of music) und zahlreiche Solowerke. Als Bratschistin Mitbegründerin und Mitglied beim Ensemble LUX (bis 2013), beim Ensemble Reconsil (bis 2016), sowie im Radio Symphonie Orchester (2004-2008) und dem Wiener Kammerorchester. Widmungsträgerin zahlreicher Solokonzerte für Viola (ua. Erich Urbanner, Thomas Heinisch, Roland Freisitzer). Website...

Haruki Noda geboren 1992 in Kumamoto/Japan, aufgewachsen in Wien/Österreich. Studium klassische Gitarre an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Seit 2015 Studium der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Musiktheorie (Gesine Schröder), Komposition (Iris ter Schiphorst), elektroakustische Musik (Karlheinz Essl) und Phd Musikwissenschaft (Nikolaus Urbanek). Kann als Komponist bereits auf zahlreiche Aufführungen verweisen, so etwa die Aufführung eines Orchesterstückes für das mit dem Sustainibility-Award 2018 ausgezeichneten Projekt Zusammenklänge – Musizieren mit Flüchtlingen 2017, die Aufführung der Komposition Im Gedenken an F.P. Schubert durch das Arditti-Quartett im Rahmen von Wien Modern 2020, weitere Aufführungen von Werken bei Transparent Sound New Music Festival Budapest 2021, augmented strings 2021, sowie KulturnahSibratsgfäll 2021. Die Komposition subliminal stimuli wurde beim Kompositionswettbewerb der ersten „Tage der neuen Klaviermusik Graz“ 2021 für die Finalrunde ausgewählt und mit dem Sonderpreis der Universal-Edition prämiert. Außerdem als Musikwissenschaftler und Content-Producer auf Youtube tätig. Instagram...

Hristina Šušak (* 1996) started her composition studies with 17 years at the University of Music and Performing Arts in Vienna. In 2019 she graduated in Music Theory and in January 2022 she is finishing her Composition Studies in the class of Iris ter Schiphorst at the same university. Since 2020 she is studying electroacoustic composition with Karlheinz Essl. She was awarded with the Prize of the City of Vienna for the section of music for the year 2021. Since October 2021 she teaches “Tonsatz” at Hochschule für Musik und Theater Leipzig. 2021 she was selected as one of four winners of the Call for Scores from PHACE Ensemble and Ö1 Vienna. She also won Second Prize at the 3rd International Composers Competition “New Music Generation 2021”. Her works have been performed by Ensemble Intercontemporain, Arditti Quartett, PHACE Ensemble, NÖ Tonkünstler Orchester, Bruckner Orchester Linz, at Volkstheater Wien and ECLAT Festival. Website...

Doina-Cezara Procopciuc (* 1995) has been studying composition since 2016, and later film music composition, at the University of Music and Performing Arts Vienna, with Martin Lichtfuss, Karlheinz Essl and Iris ter Schiphorst. Currently her works are played on different Austrian stages, like FAL (Future Art Lab) Vienna, Reactor, Alte Schmiede, Anton Bruckner University Linz, working with artists like Jaime Wolfson and Platypus Ensemble, Lux Brumalis Ensemble, Nimikry Duo, Jakob Steinkellner, Helena Sorokina, Helge Stiegler and many others. Her chosen way of composing is to create a symbiosis of the music with other dimensions, with other arts. Often her pieces would contain performance attributes, which are realised through different media, such as electronics or live electronics, video projections, dance or movement, language and singing - "Everything has a presence and I like to put it in my own shapes."

Eunhye Kim hat als Pianistin zahlreiche Wettbewerbe gewonnen hat und seit ihrer Kindheit viele Bühnenerfahrungen gesammelt. Sie ist in Europa und Südkorea als Solistin und Kammermusikerin aktiv. Nach Abschluss ihres Masterstudiums an der MUK Privatuniversität absolviert sie derzeit ein PPCM Studium für zeitgenössische Musik an der Kunstuniversität Graz, das vom Klangforum Wien geleitet wird. Durch viele Erfahrungen mit zeitgenössischen Komponist:innen erweiteren sich ihre musikalischen Perspektiven.

TALO (Alejandro Lopez Alvarez) hat klassische Gitarre an der Antioquias Universität in Kolumbien und an der Universität für Musik in Wien studiert. Zur Zeit gibt er Solo-Konzerte mit klassischer Musik und experimentiert mit neuen Instrumenten, Tönen und digitalen Möglichkeiten.

Catherine Spet (* 1998) lebt und arbeitet in Wien. Nach ihrem Bachelorstudium "Medientechnik" mit dem Schwerpunkt audiovisuelle Medien studiert sie derzeit "Digital Design" in der Masterklasse "Experimentelle Medien" an der Fachhochschule St. Pölten und Philosophie an der Universität Wien. Ihren künstlerischen Schwerpunkt sieht sie in der Synthese verschiedener medientheoretischer und technik-philosophischer Konzepte und in der Kombination unterschiedlicher Medienformen.


Videos

Afamia Al-Dayaa: W-ORTE


Haruki Noda: Now There Danceth a God in Me


Omer Barash: OTOTO


Team

Johannes Kretz: Musik und Computer
Andreas Weixler: Musik und Computer
Wolfgang Musil: Live-Elektronik

Paul Scheliga: Tonmeister
Hans Döllinger: technische Leitung
Catherine Spet: Videodokumentation und Schnitt

Karlheinz Essl: Konzept, künstlerische Betreuung und Gesamtleitung



Updated: 21 Jun 2022

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