Commissioned by Philipp Harnoncourt
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Die drei Wesenheiten – Vater, Sohn und Heiliger Geist – erscheinen mir als unterschiedliche Erscheinungsformen des selben Urgrundes, die zusammen ein unteilbares Ganzes bilden: GOTT. Wie lässt sich dies nun kompositorisch umsetzen, ohne in Trivialitäten abzugleiten?
Wenn ich durch meine Skizzen blättere, die unmittelbar nach unserem ersten Gespräch entstanden, finde ich dort verschiedenartige Ansätze, die Zahl 3 zum Ausgangspunkt kombinatorischer Experimente zu machen. Dabei erinnerte ich mich an Ramon Llull, dem großen katalanischen Gelehrten des 13. Jahrhunderts, der in seiner Ars Magna die Eigenschaften Gottes mit einer Kombinationsmaschine zu ergründen suchte.
Ähnliches versuchte ich auch hier. Ausgehend von einem Ensemble aus drei Schlagzeugern, die im Raum verteilt die Eckpunkte eines gleichseitigen Dreiecks beschreiben, teilte ich die Schlaginstrumente in drei Familien ein: Fell, Metall und Holz. Jede dieser Instrumentenfamilien repräsentiert sich nun in drei unterschiedlichen Klangspektren: harmonisch, inharmonisch und unharmonisch – also in drei Abstufungen zwischen Klang und Geräusch. Aus dieser Matrix von 3x3 Kombinationsmöglichkeiten wählte ich die in Frage kommenden Instrumente für mein Stück aus:
| Fell, harmonisch | Pauke |
| Fell, unharmonisch | Conga |
| Fell, inharmonisch | Große Trommel |
| Metall, harmonisch | Vibraphon |
| Metall, unharmonisch | Röhrenglocken |
| Metall, inharmonisch | TamTam |
| Holz, harmonisch | Marimba |
| Holz, unharmonisch | Tempelblocks |
| Holz, inharmonisch | Guero |
Diese sind aber ungleichmäßig zwischen den drei Spielern verteilt: Jeder Musiker hat eine Pedal-Pauke, ein Set von Röhrenglocken und ein Guero. Dann gibt es wieder Instrumente, die überhaupt nur einmal im Ensemble vertreten sind, wie Conga, TamTam und Marimba. Hingegen werden Große Trommel, Vibraphon und Tempelblock von jeweils zwei Musikern verwendet. Durch die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Instrumente im Ensemble wollte ich die verschiedenen Erscheinungsformen der Dreieinigkeit – ihre individuelle Hypostasis – zum Ausdruck bringen.
Aber auch in vielen anderen Aspekten durchzieht die Dreizahl mein ganzes Stück: Es besteht aus drei Teilen (überbeschrieben mit: qui cum patre – et filio – simul adoratur), die jeweils in drei Unterabschnitte gegliedert sind. Ebenso wie die Mischungsverhältnisse der einzelnen Klangwerte und ihre Abfolgen verdankt sich auch die rhythmische und zeitliche Organisation der Klänge dem Trinitätsgedanken.
Zuletzt flossen all diese Überlegungen in ein Computerprogramm zusammen, das ich in einer schlaflosen Nacht schrieb. Es generierte mir ein Formskelett, welches ich in den folgenden Tagen und Wochen mit großer Hingabe in Partiturform übersetzte. Dabei hatte ich immer wieder das Gefühl, als würde sich dieses Stück wie von selbst schreiben; als wären Hand und Gedanken just von jener Macht gelenkt, die ich mit meinen bescheidenen Mitteln zu verherrlichen suchte.
Das Pedal des Vibraphons muss fixiert sein, so dass es immer nachklingt. Das Dämpfungspedal der Röhrenglocken wird niemals betätigt – die Glocken sollen immer ausschwingen und werden nie gedämpft.
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Updated: 27 Apr 2011