Entrée


Karlheinz Essl

fLOWer
Showdown for sound scape, voice, live musicians, live electronics, and light installation
Part of the work-in-progress fLOW (1998/99)


KUNST.HALLE.KREMS
Minoritenkirche Stein

13 May 2000

Bilder vom Event und eine RealAudio-Aufnahme gibt's beim:

ORF KUNSTRADIO


Karlheinz Essl: "Der rote Faden des Projektes fLOW ist die Idee des Fließens in vielfältigem Sinne: als philosophische Metapher für Prozesse, die sich in ständiger Veränderung befinden, die nicht von Außen kanalisiert werden, sondern sich ihre Wege und Formen selbst suchen; aber auch als musikalisches Prinzip des ständigen Weitergehens, des fortwährenden an-die-Grenzen-Kommens, um neue Wege und Auswege zu finden. Dieses Projekt wurde vor 2 Jahren gestartet - wie ein Bach, der seinen Ausgang nimmt von einem Regentropfen. Ursprünglich als Performance in der KUNST.HALLE.KREMS geplant, findet es jetzt - nach vielen Unwegen - seinen Abschluß und Erfüllung ebendort."

Susanna Niedermayr: Seit vielen Jahren begleitet den österreichischen Komponisten Karlheinz Essl die Vision einer Musik, die sich im Augenblick ihres Erklingens wie von selber komponiert, die Vision einer Musik die nicht bloß die Umsetzung eines fein säuberlich ausformulierten Notentextes ist. Karlheinz Essl möchte Klangkörper schaffen, die auf äußere Einflüsse reagieren, eine Musik die in ihrer zeitlichen Ausdehnung unendlich ist, ohne sich je zu wiederholen. Mit seiner zweijährigen Projektreihe "fLOW" ist Essl dieser Vision ein Stück weit näher gekommen. Am 13.5.2000 verwandelte Karlheinz Essl mit Hilfe einer sich selbst generierenden Klanginstallation die Steiner Minoritenkirche in Krems in einen akustischen Wasserspeicher. Anlass war das Projekt "fLOWer", der letzte Teil der Projektreihe "fLOW".

Einmal mehr lud Karlheinz Essl hochkarätige internationale Instrumentalisten, Komponisten und Klangkünstler aus den unterschiedlichsten musikalischen Kontexten von Jazz über Neue Musik bis hin zur freien Improvisation ein, Teil eines sich in kontinuierlichem Fluss befindlichen musikalischen Arbeitsprozesses zu sein. Ein Arbeitsprozess, der sich im Laufe der letzten 2 Jahre in insgesamt 20 Performances und 5 Soundinstallationen manifestierte - unter anderem in den Vereinigten Staaten, in Belgien, in Deutschland und in Österreich - immer wieder an Orten, die nahe dem Wasser liegen - etwa in Klosterneuburg (fLUX), in Linz (fLUMEN), in Chicago (fLAW bzw. fLOCK) oder im Badehaus der Sargfabrik in Wien (fLÜSTERN).



Die Projektreihe "fLOW", so Karlheinz Essl, war als ein work-in-progress konzipiert. Im Zuge der einzelnen Liveperformances nahmen die Musiker in variierender Besetzung nach und nach auf die jeweilige Klanginstallation Bezug. Grundlage bildete jedesmal eine von Essl vorgegebene Zeitpartitur. Eine zentrale Rolle spielte auch m@ze°2, das Instrument, das von Karlheinz Essl gespielt wurde. Es ist ein auf Computertechnologie basierendes Echtzeit-Kompositions- und Improvisationstool, das der Komponist 1996 selber entwickelt hat. Die prozessuale Grundidee hat Karlheinz Essl auch in der Radioversion beibehalten. Für das Kunstradio hat Essl das während der Performance "fLOWer" in Krems entstanden Soundmaterial neu strukturiert. Bei der Radioversion handelt es sich dabei aber keineswegs um eine bloße Teilwiedergabe der Liveperformance, sondern um eine auf die Bedingungen des Radios - Primat des Hörens, Begrenzung der Zeit, Ignorieren des Räumlichen und Visuellen - zurechtgeschnittene Neukomposition.

Was als zaghafter musikalischer Dialog begann, wird im letzten Abschnitt von "fLOWer" zu einer siedendheißen Kollektivimprovisation, die beinahe, aber auch nur beinahe eine popmusikartige Färbung anzunehmen scheint.

Karlheinz Essl: "Wobei diese Zitate und Allusionen an bestehende Musik vielfach zerbrochen sind: so, wie durch einen Zerrspiegel betrachtet. Eigentlich mehr als Ideen oder Gefühlsströmen, mit den wir dann gezielt operieren. Nicht aber im Sinne einer Affirmation, dass wir jetzt plötzlich ein Rave inszenieren wollen, sondern im Gegenteil diese Emotionalität immer wieder durch das Zerbrechen und Zerbersten wieder neu erlebbar und damit auch wieder schön zu machen. Also jetzt nicht in den Gewohnheitstrott hinzufallen, und sagen, jetzt laufen die Grooves, sich zurückzulehnen und glauben, alles sei gut, sondern im Gegenteil: die Grooves werden dauernd (zer)stört und zwingen den Hörer, ständig eine Neupositionen einzunehmen. Damit hoffe ich, dass es auch gelingen möge, eine Art von Bewußtseinsveränderung durch das Hören zu bewirken. Vielleicht ist das vermessen... Aber ich habe bei mir selbst schon erlebt, das solches durchs Hören möglich ist."

Susanna Niedermayr
Aus einer Sendung des ORF KUNSTRADIOS am 20.5.2000



Musiker

  Anne LaBerge (Amsterdam) flute and electronics
  Arne Deforce (Gent) cello, electronics
  Martin Siewert (Wien) electric guitar, lapsteel, devices
  Elisabeth Flunger (Wien) percussion
  Didi Bruckmayr (Linz) voice
  Karlheinz Essl (Wien) computer & live-electronics (m@ze°2)
  Philipp Harnoncourt (Wien) light design
  Martin Leitner (Wien) sound projection



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Updated: 7 Jan 2016