Karlheinz Essl

Portrait KHE

à trois - seul

for violin, viola, cello
1997/98

Commissioned by the Orpheus Trio Wien (Vienna) / Austrian National Library


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Gerald Resch

Über Karlheinz Essls Streichtrio à trois - seul


"Der Titel des Streichtrios à trois - seul ist programmatisch zu deuten. Seul - das bedeutet: allein, aber auch Eins-Sein. Allein-Sein als Form der Verschmelzung, vielleicht auch als Resultat eines Verschmelzungsvorgangs; à trois hingegen meint: im Diskurs zu stehen" (Karlheinz Essl).

Zwischen dem Allein-Eins-Sein und dem im Diskurs stehen schafft Karlheinz Essl eine reiche Skala an Übergängen. Die Grenze, die zwischen Identität und Differenz liegt, kann nur selten klar gezogen werden: was unter einem bestimmten Aspekt betrachtet voneinander getrennt erscheint, stellt sich unter einem anderen Blickwinkel als eng miteinander verwandt heraus. Dieses Vexierspiel zwischen Verschmelzung und Diskurs spiegelt sich in der formalen Anlage der Komposition: in der Partitur liest man fünf deutlich getrennte Sätze. Im Konzert hingegen hört man einen gleichermaßen monolithischen, wie auch vielfach gegliederten Klangstrom. Oft kann sich das Ohr nicht entscheiden, ob das, was es im Augenblick hört, etwas grundsätzlich Neues ist, oder eher eine Variante des bereits Gehörten. Wie der Bindestrich zwischen à trois und seul deutlich macht: die Gegensätze sind nicht voneinander trennbar, sondern dialektisch aufeinander bezogen.



Essl arbeitet mit den Kombinationsmöglichkeiten der drei Instrumente: Soli, Duos und Trios wechseln sich ab, doch auch hier sind die Übergänge fließend. Wenn alle drei Instrumente spielen, kann es sich um das Solo eines Instruments handeln, das von den beiden anderen lediglich unterstützt wird. Oder um eine einzige Idee, die dergestalt auf alle drei Streicher ausgebreitet wird, dass Mehrstimmigkeit entsteht. In den ersten beiden Takten spielen alle drei Streicher im selben Duktus differenzierte Triller-Figuren. Handelt es sich dabei um ein dichtes Miteinander oder schon um ein Neben-, Über- und Gegeneinander? Um beides zur gleichen Zeit: zu dritt - allein.

Die splitterartigen musikalischen Gestalten, die sich meist subkutan aus anderen Gestalten entwickeln, sind auf mehreren Ebenen parallel oder gegenstrebend verknüpft: etwa auf der Ebene der Struktur, des Materials, der Spieltechnik, der Gerichtetheit und der Intensität. Oft springt ein Element, durch das eine Gestalt geprägt wird, von einer Ebene auf eine andere: beispielsweise, wenn nach vielfältigen glissando-Bewegungen des ersten Satzes die G-Saite der Bratsche umgestimmt wird, die Spieltechnik glissando also umgedeutet wird zu einer Möglichkeit, strukturell in den Tonraum einzugreifen. Das Umstimmen der Saite stellt sich - durch den Zusammenhang der vorhergehenden glissando-Varianten - selbst als ein Struktur gewordenes Glissando dar.

Sowohl das Allein-Sein als auch das im Diskurs stehen bieten Möglichkeiten, die Freiheit zu erleben. Man hat den Eindruck, das die Gestalten in Essls Streichtrio trotz ihrer vielfältigen Beziehungen an keine vorab definierte Funktionalität gebunden sind: ein Triller etwa wird nicht als die Umspielung eines Haupttons betrachtet, sondern als Bewegungsart, die sich in Tonhöhe, Geschwindigkeit und Klangqualität verändert, wenn sie mit anderen Bewegungsarten zusammentrifft. Wie chemische Substanzen beim Zusammentreffen im Laborversuch erleben die musikalischen Partikel von à trois - seul eine Fülle von Verwandlungen mit unbekanntem Ausgang.

in: Programmheft der Salzburger Festspiele 2002 für das
Konzert des ensemble recherche (1. Aug 2002 Mozarteum)

© 2002 by Gerald Resch


Listen


à trois / seul (1997/98) for violin, viola and violoncello
Orpheus Trio Wien

1st movement

Download mp3 (4:11, 4.0 MB)



deutsch

Christian Baier

Dialektisches Triptychon

Zu Karlheinz Essls Streichtrio à trois - seul (1997/98)


Anlaß zur Entstehung des Streichtrios war die an mehrere Komponisten ergangene Bitte der Österreichischen Nationalbibliothek, anläßlich des 25jährigen Bestehens des "Instituts für österreichische Musikdokumentation" ein Werk zu spenden. Essl kam der Bitte nach und stellte sich vor die Aufgabe, ein Stück zu schreiben, das in sich eine Suite von mehreren Stücken ist. Die Anzahl der Instrumente und ihre Kombinationsmöglichkeiten lieferten die Initialzündung zur Strukturierung: Soli, Duos, Trios. Die gespendete Komposition bestand vorerst nur aus dem 1. Satz, beinhaltete aber bereits den dialektischen Ansatz des gesamten Streichtrios.


Ausgangspunkt - der I. Satz

Der 1. Satz setzt sich aus insgesamt 21 Stücken (drei Soli, sechs Duos und zwölf Trios) zusammen, wobei es sich bei den "Stücken" nicht um Fragmente, also um Teile eines übergeordneten Ganzen, handelt, sondern um Repräsentationsformen der Kombinationsmöglichkeiten der Instrumente. Der erste Satz ist sohin eine Summe von Stücken, die miteinander auf struktureller und semantischer Ebene sowie über den Materialbezug verknüpft sind. Die Verbindung zwischen den einzelnen Stücken erfolgt aber nicht über die künstliche Fragmentierung, also über die Aufsplitterung eines übergeordneten Ganzen in Teile, sodaß die Komposition ihre Spannkraft nicht aus der Sehnsucht nach einer Wiederherstellung des ehemaligen Ganzen bezieht, und ebensowenig den Bruch zum Prinzip der Komposition ästhetisiert und aus ihm eine Aura des vieldeutig Rezipierbaren generiert. "Der Bruch ist kein Topos, keine ästhetische 'Ideologie'", so Essl, " Er ist nur eine von mehreren strukturellen Möglichkeit."


Titel

Der Titel des Streichtrios ist programmatisch zu deuten: "Seul - das bedeutet: allein, aber auch eins-sein. Allein-Sein als Form der Verschmelzung, vielleicht auch als Resultat eines Verschmelzungsvorganges. à trois - das ist: im Diskurs stehen." Dieser Grundgedanke Essls bestimmt die innere Dramaturgie der einzelnen Sätze ebenso wie die makroformale Anlage der Komposition. Selbst die Materialbehandlung wird zum Spiegel dieses Gedankens.


Die formale Anlage

Am klarsten tritt der Gedanke "à trois - seul" in der formalen Anlage des Streichtrios zutage. Seit über 10 Jahren finden sich in den Kompositionen von Essl keine "Sätze" mehr. Im Streichtrio ergibt sich durch das zugrundeliegende dialektische Prinzip eine logische Gliederung in fünf Abschnitte, die auch klar voneinander abgesetzt sind.

Die Sätze I, III und V sind als dialektisches Triptychon zu verstehen:

mp3 Satz I repräsentiert die THESE des "seul" im Sinne von "allein", indem 21 Stücke in eine werkimmanent-logische (also nicht präformierte) Struktur gebracht werden.
  Satz III stellt in ihrem polyphonen Ansatz die ANTITHESE des "à trois" dar: Drei Stimmen treten in Diskurs miteinander.
  Satz V postuliert durch die schlußendlich erreichte Homophonie die SYNTHESE ("seul" als "Verschmelzung"): Es gibt eine Verbindung zwischen den drei Stimmen. "Einheit ist eine Metastruktur, die alle drei Stimme steuert, während bei der Polyphonie die Stimme ihr Eigenleben führen."
  Die Sätze II und IV, die kompositorisch dichtesten Teile des Streichtrios, sind - denkt man das Bild des Triptychons weiter - als die bemalten Rückseiten der Flügelteile zu begreifen, sie sind die Kehrseite, mit ihren Dauern von 1 bzw. 1.44 Minuten die kürzesten des Streichtrios und von rein klanglichem Charakter, was sie dem Bereich des "seul" zuweist. In beiden Sätzen verwendet Essl das Flageolett, im zweiten vier Flageoletts auf jeweils einer Seite der Instrumente, im vierten Flageoletts als Doppelgriffe im Tremolo.
  Satz II operiert mit Obertönen, aus denen ein chromatisches Feld geschaffen wird. Die Instrumente sollen dabei nur auf einer Saite spielen. Um diese Vorstellung zu realisieren, ist es notwendig, in die traditionelle Physis der Instrumente einzugreifen, indem die G-Saite der Viola auf As gestimmt wird. Anstatt den rein technischen Vorgang des Umstimmens aus der Komposition auszuklammern und ihn als "lästige Begleiterscheinung bei der Arbeit mit akustischen Instrumenten" in die Pause zwischen den Sätzen zu verbannen, bezieht ihn Essl in die Komposition ein, indem er ihn kurz vor Ende des 1. Satzes zum Material erklärt und in das musikalische Geschehen einbindet. (Technik und musikalischer Ausdruck verschmelzen sohin, werden "seul".)


Solo - seul

Die Gestaltung der Soli des ersten Satzes korrespondieren mit der Dialektik der formalen Anlage. Sie sind nicht im Sinne eines Bravouraktes zu verstehen, nicht als Gelegenheit für den Instrumentalisten, sein Können unter Beweis zu stellen. "Solo" ist, wie in vielen Kompositionen Essls, als gestische "Solo-Attitude" zu interpretieren. Ein Instrument tritt hervor, die anderen übernehmen für die Dauer des Solos die Funktion der "Verschleierung", sie ordnen sich der "Harmonik" des Soloinstruments unter. So entsteht innerhalb der Abfolge der 21 Teile ein künstlicher Raum, der aber nicht der artifiziellen Selbstentfaltung des "Solisten" dient, sondern ihm die Möglichkeit - im wahrsten Sinn des Wortes - einräumt, als Individuum hervorzutreten. Er ist "seul", also verschmolzen mit sich, um aus diesem Zustand wieder ins "à trois", den Diskurs, zu wechseln.


Material - Strukturtypen

Das Prinzip "à trois - seul" durchdringt auch die Arbeit mit dem musikalischen Material. Die trillerartigen Figuren des Anfangs lösen sich gegen Ende in langgezogene, flächige Klänge auf. Der Triller setzt sich in einer "Melodie" fort, doch ist "Melodie" nicht im herkömmlichen Sinn, sondern als Material zu verstehen, das sich vom Triller ableitet. Die ursprüngliche Kolorationsfigur aus der Renaissance und dem Frühbarock wird aus ihrer historischen Konnotierung und ihrer tradierten Funktionalität gelöst. Der Triller tritt in entfiguralisierter Form mit seiner an keine Funktion mehr gebundenen Gestalt, in Diskurs. Aus seinem "Wesen", der Alterierung von zwei in der Tonskala eng beieinanderliegenden Tönen, wird durch Veränderung der Geschwindigkeit, durch Vergrößerung der Hüllkurve etc. ein trägfähiges Strukturmodell gewonnen. Die polyphon geführten Linien des 3. Satzes leiten sich ebenso vom strukturell gedeuteten Triller ab wie der am Ende des 5. Satzes erreichte Einklang, der auf struktureller Ebene dem Zentralton eines Trillers entspricht.

Gleichzeitig macht Essl den Triller als ausfigurierten Klang erfaßbar und ermöglicht es den daraus resultierenden Strukturtypen, materialhafte Verbindungen einzugehen. Der Strukturtyp wird also nicht absolut gesetzt (d.h. er bleibt nicht dem Bereich des rein Figurativ-Ornamentalen verhaftet, was dem "seul" entsprechen würde), sondern er wird zum Material, das seine Entsprechungen und Gegensätze in seiner Weiterverarbeitung findet ("à trois"). "So wird es mir möglich, mich in einem mehrdimensionalen Netz zu bewegen und Verbindungen herzustellen." Die Trillerfiguren des Anfangs permutieren im Streichtrio zum Tremolo, das Essl als "Bogentriller" versteht, und zum Flageolett, das die Klanggestalt der Sätze II und IV entscheidend prägt.

Eine solche Vorgangsweise resultiert aus der Auffassung des Komponisten, der Instrumente nie traditionsgebunden und in ihren spieltechnischen Möglichkeiten auf einen bestimmten Ausdrucksfundus beschränkt sieht. Durch die Ausreizung aller spieltechnischen Möglichkeiten wird aus der Physis der Instrumente Klangmaterial gewonnen, aus dem - wie im Falle des Trillers - Strukturtypen entstehen. - Material und Struktur bedingen einander, indem sie sich auseinander entwickeln. Dem "à trois" des Titels geht also wiederum ein konzeptionelles "seul" voraus, die Einheit von Material und Struktur, die sich aus sich selbst initiiert und inszeniert.


Werk vs. Prozess

Es mag im ersten Moment verwundern, daß Karlheinz Essl nach zahlreichen elektronischen und computergesteuerten Kompositionen wieder zu einer rein akustischen Besetzung zurückkehrt. Noch mehr mag verwundern, daß er sich nach Stücken, in denen der Werkbegriff durch prozessuale Kompositionsansätze verabschiedet wurde, wieder einer klar definierten Gattung zuwendet und - dies nebenbei - wieder zu jener Gattung zurückkehrt, die seinen Werkkatalog eröffnet (Conversations - Streichtrio von 1983/84). "Meine elektronischen Kompositionen sind nie Antithesen zu den Stücken für akustische Instrumente. In meiner Arbeit laufen die beiden Stränge parallel und beeinflussen einander auf vielfältige Weise. Eigentlich beschäftige ich mich fortwährend mit Stücken mit klar faßlicher Werkcharakteristik. Daneben gibt es prozessuale Stücke, die diesen Werkcharakter in Frage stellen. Ziel dieses zweigleisigen Arbeitens ist es, die Werk und Prozeß nicht mehr als streng getrennt, sie nicht mehr als Antipoden zu sehen."



english

Christian Baier

Dialectic Triptych

On Karlheinz Essl's String-Trio à trois - seul (1997/98)


The reason behind the creation of this string-trio was the request by the Austrian National Library to various composers, to donate a work in honour of the 25th anniversary of the Institute for Austrian Music Documentation. Essl responded to the request and set himself the task of writing a piece, which in itself is a suite of several pieces. The number of instruments and the combination possibilities gave the initial conception to the structure: soli, duets, and trios. The donated composition comprised originally of the first movement only, but contained already the dialectic approach to the whole piece.


Starting point - the first movement

The first movement consist of 21 pieces in all (3 soli, 6 duets and 12 trios), whereby these "pieces" are not fragments - that is to say parts of a larger whole, but rather representation forms of the combination possibilities of the instruments. The first movement is thereforea number of pieces, which are connected on structural and semantic levels as well as in terms of the material reference. The connection between the individual pieces is not realised via artificial fragmentation - i.e. the splitting up of the whole into parts. Therefore the composition does not draw its tension from the longing for a reunification of the former entity, nor does it aesthetisise the break as the principle of the composition and generate an aura of the ambiguous realisation. "The break isn't a topos or an aesthetic ideology" according to Essl, "it is one of many structural possibilities".


Title

The title of the string trio should be interpreted programmatically: "Seul" - meaning alone, but also »being one«. Alone as a form of fusion, maybe also as the result of a fusion. à trois - that is to say: to be in discourse." This basic idea of Essl's defines the inner dramaturgy of each of the movements as well as the macro-formal arrangement of the composition. Even the treatment of the material becomes a mirror of this thought.


The formal arrangement

The idea à trois - seul appears most clearly in the formal arrangement of the trio. For over 10 years one has not found "movements" in Essl's compositions. As a result of the dialectic principle of thestring trio a logical structure of 5 sections is to be found, which are also clearly differentiated from each other.

The first, third and fifth movements are to be seen as a dialectic triptych:

mp3 The first movement represents the thesis of "seul" in the sense of "alone", where 21 pieces are presented in a intrinsically logical (not performed) structure.
  The third movement portrays the antithesis of the "à trois" in its polyphonic approach. Three voices enter a discourse with each other.
  The fifth movement assumes the synthesis through the homophony, which is eventually reached ("seul" as "fusion"): There is a connection between the three voices. "Singularity is a meta-structure, which controls all three voices, while the voices lead their own lives in the polyphony."
  The second and forth movement, with regards to the composition the most dense parts of the work, are - if one is to continue to use the picture of the triptych - to be understood as the painted reverse sides of the wings. They are the B-side, the shortest parts of the trio with durations of 1' and 1'44", and are of a purely acoustic character, which subscribes them to the section of the "seul". In both of these movements Essl uses the harmonics; in the second movement 4 harmonics on one string of the instruments; in the fourth 4 harmonics as a double grip with tremolo.
  The second movement uses harmonics, from which a chromatic field is created. The instruments are to play on one string only for this. In order to realise this idea it is necessary to tamper with the traditional physicality of the instruments, by tuning the G-string of the viola to A flat. Instead of excluding the purely technical process of detuning from the composition and condemning it - as a "tiresome side-effect of the use of acoustic instruments" - to the pause between the movements, Essl includes it in the composition, by announcing it shortly before the end of the first movement and integrating it into the musical activity (technical and musical expression merge and become "seul").


Solo - seul

The organisation of the soli of the first movement corresponds to the dialectic of the formal arrangement. They are not to be understood in terms of an act of bravura, not as an opportunity for the instrumentalist to show off his skill. "Solo" should be interpreted as gesture of the "solo attitude", as in many of Essl's compositions. One instrument protrudes, the others take over the function of a veil; they subject themselves to the "harmony" of the solo instrument. In this way an artificial space emerges, which doesn't serve the artificial development of the soloist, but gives him the space to protrude as an individual. He is "seul", merged with himself, in order to transform from this state back into the discourse of "à trois".


Material - Structure types

The principle of à trois - seul also penetrates the work with the musical material. The trill figures at the beginning loosen themselves to long, held, flat sounds. The trill continues in a "melody". Not a "melody" in the usual sense, but as material which evolves from the trill. The original coloration figure from the renaissance and early baroque is separated from its historical connotation and its traditional functionality. The trill enters the discourse as a figurless form; its shape no longer bound to a function. From its "character", the alteration between two neighbour-notes, an independent structural model is developed through changes to the speed, augmentation of the intervals etc. The polyphonic lines of the third movementare derived from the structurally interpreted trill, as is the unison reached at the end of the fifth movement, which corresponds on a structural level to the central note of a trill.

At the same time Essl makes the trill noticeable as an evolved sound and allows the structure types which result from it to enter material connections. The structure type is also not absolutely set (i.e. it doesn't remain bound to the area of the figurative ornament, which would correspond to the "seul"), but becomes the material, which finds its equivalents and opposites in its further development ("à trois"). "In this way it is possible for me to move in a multidimensional net and to create connections." The trills from the beginning are permuted in the trio to tremolos, which Essl calls "curved trills", and to harmonics, which play an important role in the sound-shape of the second and fourth movements.

Such a procedure results from the view of the composer who never sees instruments as bound by their tradition, their performance possibilities and a particular mode of expression. Through the exhaustion of all technical performance possibilities sound material is gained from the physicality of the instruments, from which - as in the case of the trill - structure types emerge. Material and structure are implied in each other, by the way that they develop and move apart. The "à trois" of the title is preceded by a conceptional "seul", the unity of material and structure, which is initiated and put into practice by itself.


Work versus Process

It may at first be surprising that Karlheinz Essl has returned to a purely acoustic instrumentation after a number of electronic and computer-controlled compositions. Even more surprising is that he has returned to a clearly defined formation (N.B. the same formation with which his oeuvre was begun: Conversations - string trio from 1983/84), following works in which the work-concept was dismissed by process-led compositional approaches. "My electronic compositions are never antitheses to the works for acoustic instruments. In my work both of these lines run parallel and influence each other in a variety of ways. Actually I continually occupy myself with pieces with clearly graspable work characteristics. Besides that there are process-led pieces which question these characteristics. The aim of this double track thinking is to see the work and the process no longer as strictly separated or as antipodes."

Translation: Jonathan Irons (1998)


français

Karlheinz Essl
à trois - seul (1997-1998)
pour violon, alto et violoncelle

Le titre de la pièce en détermine la structure: seul c'est être isolé mais aussi ne faire qu'un. Cette idée définit la dramaturgie des cinq mouvements de la pièce ainsi que sa micro structure. Le matériau même est un reflet de cette idée. Dans cette ¦uvre, Essl renoue avec une instrumentation purement acoustique et une structure découpée en mouvements. À trois - seul répond à une commande de l'Institute for Austrian Music Documentation.





CD     Recordings

Orpheus Trio Wien - Streichtrios der Moderne (PEP 99015 / pepperland 1999)

(...) Wer Karlheinz Essl nur von seinen Computerimprovisationen her kennt, wird bei à trois - seul überrascht sein, wie viel der ehemalige Schüler des Schönberg-Wiederentdeckers Friedrich Cerhas von "klassischer" Komposition für klassisches Ensemble versteht, wie stringent und greifbar er das im Titel angedeutete Konzept musikalisch umsetzt. (...)

Carsten Fastner: CD-Kritik Orpheus Trio Wien: Streichtrios der Moderne (Schönberg, Webern, Essl u.a.)
in: FALTER 46/99 (Wien)


(...) Karlheinz Essls Streichtrio a trois - seul, 1998 entstanden, steht in der satztechnischen Reduktion auf expressive Gesten und Figuren in der Tradition Weberns. Dem Wechselspiel von Solo und begleitendem Hintergrund, das dem Werk seinen Namen gibt, gewinnt der 1960 geborene Komponist mittels verschiedener Techniken reizvolle klangliche Nuancen ab. (...) Mit [seinem] ca. 15 Minuten langem, bei aller Komplexität durchwegs stringentem Triosatz legt Essl (...) eindrucksvoll Zeugnis ab von der Vitalität des Wiener Musiklebens. (...)

Andreas Hauff: CD-Kritik Orpheus Trio Wien: Streichtrios der Moderne (Schönberg, Webern, Essl u.a.)
in: Neue Zeitschrift für Musik, 5/2000 (Schott: Mainz)



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Updated: 27 Sep 2011