Andreas Okopenko

Andreas Okopenko

LEXIKON-ROMAN

Inhaltsangabe



Ein Exportkaufmann fährt allein im ungewohnt beschaulichen Reisemedium eines Donauschiffs zu einem Exporteurtreffen. Die ungewohnte Muße läßt ihn beiläufig sein Leben reflektieren, anderseits die Schönheiten, Häßlichkeiten und Tiefen der Landschaft wie die Schicksals-Spots der wahrgenommenen Menschen mit großer Intensität erfassen. Vorübergehend schwillt es zu der Erkenntnis an: "Du mußt dein Leben ändern." Die Route verläuft von der Wiener Reichsbrücke die Donau aufwärts noch Dürnstein. Die Orte seitlich der Strecke laden zum imaginären Aussteigen, Weiterwandern und Erleben ein, ebenso gedankliche Nebenwege. Im Schiffsrestaurant vergröbern sich die Gefühle zu sinnlicher Verliebtheit in eine attraktive dicke Dame aus der platt konventionellen Sphäre, kontrapunktisch erahnt der Mann später die anziehende Außergewöhnlichkeit eines überintelligenten kleinen Mädchens. Die Reise zum Wesentlichen scheitert an der konventionellen Gebundenheit des Kaufmanns und der Konsequenzlosigkeit seiner Hochgefühle. Allerdings wird ihm eine Ahnung vom bestrickenden "Überall geht es weiter", "Alles steht mit allem in Zusammenhang", "Überall könnte man neu beginnen", eine Ahnung vom Netzcharakter der Welt, ihrer "Möglichkeiten-Struktur", ihren Freiheitsgraden bleiben.

Die Erzählweise ist vielfältig: sie reicht vom inneren Monolog des Kaufmanns über das Berichten des Autors bis zu kommentarlosen Dialogen und Gesprächsfetzen anderer, von der Darstellung des Akustischen über intensive Visualeindrücke bis zu Gaumen-, Haut- und Nasenfreuden, vom Sprachexperimentellen über die Alltäglichkeit bis zum Dialekt. Dazu kommen Mini-Essays mit Stellungnahmen des Autors zu Literatur, Politik, Beziehungs- und Erlebenspsychologie.

Über das Singuläre des erlebten Tages, der Landschaften und der tragenden Personen hinaus ist der Roman ein Zeitbild am Rand der wilden Jahre um 1968.

Die Sinnenhaftigkeit der Erzählung reizt zur Erweiterung des Werks über das gedruckte oder gesprochene Wort hinaus in die Welt der musikalischen und geräuschlichen Akustik, der assoziativen filmischen Bildlichkeit. Die Verweistechnik in Anlehnung an Lexika, die der Vernetzung der Welt und der Wahlfreiheit im Weitergehen und Weiterdenken gerecht werden soll, reizt anderseits zum EINSATZ DES COMPUTERS.

Der alte Gedanke des "Gesamtkunstwerks" findet neue technische Möglichkeiten zu seiner Verwirklichung - Möglichkeiten auch, die den Kunstempfangenden zu einem Mitgestaltenden aufwerten.


© 1997 by Andreas Okopenko


Ursprünglich geschrieben für die Erstpräsentation des vollständigen ELEX in der Galerie im Weinstadl (Wien-Stammersdorf, 5.6.93); in: "NEXT GENERATION - Karlheinz Essl", hrsg. von Margarethe Lasinger, Salzburger Festspiele 1997 (Salzburg 1997)



ELEX Interview Kritik CD-ROM Lexikon-Sonate


Updated: 10 Mar 2006